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Lesung

Norbert Hummelt: 1922. Wunderjahr der Worte

Marica Bodrozic: Die Arbeit der Vögel. Seelenstenogramme

Freitag, 1. Juli, 17 Uhr, Waldpark
Bei Regen: Glashaus

Moderation: Carolin Callies

 

Zeit ist ein Wesen für sich

Aufbruch in die Moderne. 1922 ist ein Jahr von unglaublicher schöpferischer Energie: ein Wunderjahr der modernen Literatur – und von dem erzählt Norbert Hummelt. Eine Fülle literarischer Werke erscheint, die den Gang der Weltliteratur verändern. In Paris wartet James Joyce voller Ungeduld auf die ersten Exemplare seines »Ulysses«. Virginia Woolf ist in London dabei, sich ihren eigenen Raum zu erschreiben. Rainer Maria Rilke vollendet, was er einst auf Schloss Duino begonnen hat. Katherine Mansfield steckt ihre ganze Kraft in ihre Short Stories. Und im englischen Seebad Margate findet T.S. Eliot radikale Töne für das widersprüchliche Lebensgefühl des noch jungen 20. Jahrhunderts.

Marica Bodrožić führt mit ihrem Buch »Die Arbeit der Vögel« dagegen ins Jahr 1940: Auf der Flucht vor den Deutschen gelangt Walter Benjamin im September 1940 auf einem alten Schmugglerpfad vom französischen Grenzort Banyuls-sur-Mer ins nordspanische Portbou. Tags darauf setzt er seinem Leben ein Ende. Acht Jahrzehnte später nimmt Marica Bodrožić den letzten Weg des großen deutschen Schriftstellers und Philosophen zum Anlass, um über unsere Zeit, die Komplexität von Lebensläufen und Identität, Freundscha_ und Flucht nachzudenken. Für sie wird der Gang über die Pyrenäen zu einem luziden Denkweg, auf dem die Natur als synästhetisches Gefüge mitspricht.

 

In seiner furiosen Collage hat Norbert Hummelt eine Fülle folgenreicher literarischer Urszenen im Annus mirabilis festgehalten.

Der Tagespiegel

 
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Norbert Hummelt

liest aus »1922. Wunderjahr der Worte«

Norbert Hummelt wurde 1962 in Neuss geboren und lebt als freier Schriftsteller in Berlin. Für sein lyrisches Gesamtwerk wurde er 2021 mit dem Rainer-Malkowski-Preis ausgezeichnet. Zuvor hatte er u.a. den Hölty-Preis für Lyrik, den Rolf-Dieter-Brinkmann-Preis, den Mondseer Lyrikpreis sowie den Niederrheinischen Literaturpreis erhalten. Er war lange Jahre Juror beim Peter-Huchel-Preis.

Marica Bodrožić

liest aus »Die Arbeit der Vögel. Seelenstenogramme«

Marica Bodrožić wurde 1973 in Dalmatien geboren. 1983 siedelte sie nach Hessen über. Sie schreibt Gedichte, Romane, Erzählungen und Essays, die in über sechzehn Sprachen übersetzt wurden. Für ihr bisheriges Werk wurde sie mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, zuletzt mit dem Walter-Hasenclever- Literaturpreis und dem Manès-Sperber Literaturpreis sowie dem Chamisso-Preis der Robert-Bosch-Stiftung in Stuttgart.

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Ein Buch wie die Wanderung durch die bergige Landschaft, die es beschreibt. Man ist sprachlos ob seiner Schönheit, wird immer wieder an die eigenen Grenzen gebracht und hat am Ende so viel über sich und die Welt gelernt, dass man jemand anderes geworden ist. Ein funkelndes, ein brillantes Kleinod.

Daniel Schreiber