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Lesung

Dmitrij Kapitelman: Eine Formalie in Kiew

Lena Gorelik: Wer wir sind

Samstag, 2. Juli, 17 Uhr, Waldpark
Bei Regen: Glashaus

Moderation: Janine Tornow-Gaisbauer und Esther Graf

 

Wie die Erinnerung manchmal das Jetzt übertönt: Krieg in Europa

Zwei autobiografische Romane, die zwischen Russland und Deutschland pendeln und in die Konflikte von heute: Dmitrij Kapitelman kann besser sächseln als die Beamtin, bei der er den deutschen Pass beantragt – nach 25 Jahren als Landsmann, dem Großteil seines Lebens. Aber der Bürokratie ist keine Formalie zu klein, wenn es um Einwanderer geht. Frau Kunze verlangt eine Apostille aus Kiew. Also reist er in seine Geburtsstadt, mit der ihn nichts mehr verbindet, außer Kindheitserinnerungen. Schön sind diese Erinnerungen, warten doch darin liebende, unfehlbare Eltern. Und schwer, denn gegenwärtig ist die Familie zerstritten.

Lena Goreliks Roman »Wer wir sind« führt ins Jahr 1992 und nach Sankt Petersburg und Ludwigsburg. Ein Mädchen reist mit den Eltern, der Großmutter und ihrem Bruder nach Deutschland aus, in die Freiheit. Was sie dafür zurücklässt, sind ihre geliebte Hündin Asta, die Märchen-Telefonnummer und fast alles, was sie mit Djeduschka, Opa, verbindet – letztlich ihre Kindheit.

Beide Romane erzählen Geschichten von Familien, die einst voller Hoffnung in die Fremde zogen, um ein neues Leben zu beginnen, und am Ende immer noch nach Heimat suchen.

 
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Lena Gorelnik

liest aus »Wer wir sind«

Lena Gorelik, 1981 in St. Petersburg geboren, kam 1992 mit ihren Eltern nach Deutschland und lebte einige Zeit in Ludwigsburg. Ihr Roman »Hochzeit in Jerusalem» (2007) war für den Deutschen Buchpreis nominiert, der vielgelobte Roman «Mehr Schwarz als Lila» (2017) für den Deutschen Jugendbuchpreis.

Regelmäßig schreibt Lena Gorelnik Beiträge zu gesellschaftlichen Themen, u.a. für die »Süddeutsche Zeitung» oder »Die Zeit«. Sie lebt in München.

Dmitrij Kapitelman

liest aus »Eine Formalie in Kiew«

Dmitrij Kapitelman, 1986 in Kiew geboren, kam im Alter von acht Jahren als »Kontingentflüchtling« mit seiner Familie nach Deutschland. Er studierte Politikwissenschaft und Soziologie an der Universität Leipzig und absolvierte die Deutsche Journalistenschule in München. Heute arbeitet er als freier Journalist. 2016 erschien sein erstes, erfolgreiches Buch »Das Lächeln meines unsichtbaren
Vaters«, für das er den Klaus-Michael Kühne-Preis gewann. Er gewann den Buchpreis 2021 der Stiftung Ravensburger Verlag.

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Es geschieht selten, sehr selten, dass ich ein Buch lese, das mich derart trifft, das so eine eigene Klangfarbe, so eine tiefe Klugheit hat, dass es einem den Atem verschlägt.

Carolin Emcke